Chronik

Chronik der Volksbühne Mettenheim

Unsere Volksbühne feiert ein seltenes Jubiläum. 75 Jahre. Es gibt wenig Theaterbühnen, die sich über so lange Zeit so erfolgreich präsentieren.

Gegründet wurde unser Verein im Jahr 1937.

Stasi und Martin Hamberger, Albert Rambold, Kuni Berger, Käthe Prähofer, Otto Haufellner, und Hans Aicher waren einige der Gründungsväter unseres Vereines. Zur damaligen Zeit war es bestimmt nicht einfach diesen Schritt zu unternehmen. Es herrschte große Arbeitslosigkeit und somit auch Armut. Der 2. Weltkrieg warf seine Schatten voraus.

Trotzdem wurde das erste Theater, der Paternosterkramer von Ettal am 28. und 29. März 1937 im Himmelsaal in Mühldorf aufgeführt. Die wenigsten unter uns werden auch nur den Namen kennen. Heute steht die Kreissparkasse an diesem Ort. Damals waren die Hauptrollen mit Stasi Hamberger, Maria Rumpl, Kuni Berger, Martin Hamberger und Albert Rambold besetzt, um nur einige Schauspieler zu nennen.

Bereits im September desselben Jahres kam ein 2. Theater zur Aufführung. Das dritte und vierte Stück wurden im Sommer und Dezember 1938 aufgeführt.

Auch während der Kriegsjahre wurde ununterbrochen Theater gespielt. Dabei gab es auch Gastspiele in Altötting und Töging, wie aus den damaligen Zeitungsberichten, die in typisch nationalsozialistischem Stil geschrieben waren, hervorgeht.

Bis Juni 1944, also 7 Jahre nach der Gründung, wurden bereits 24 verschiedene Theater gespielt. Die Schauspieler unter uns wissen wie viele Stunden Textlernen und Proben dafür notwendig sind.

In unserem Archiv sind auch Dankesschreiben vom damaligen Mühldorfer Bürgermeister Mühlbauer für die „wohl gelungenen Aufführungen des neuen zeitgemäßen Stückes. Gespielt wurde übrigens das blauseiderne Strumpfbandl.

Nach dem Krieg wurde beinahe ausschließlich für soziale Zwecke, wie z.B. für das Rote Kreuz, gespielt. Oftmals fehlen hier die Datumsangaben und nur dank der akribischen Suche unseres Schriftführers Manfred Kobler konnte eine genaue Reihenfolge festgestellt werden.

Zu Beginn der 50er Jahre schloss sich die damalige Volksbühne dem Gebirgstrachtenverein Mühldorf an. Bereits 1955 stand unser jetziger Ehrenvorstand Toni Sabold, zum Weihnachtstheater, Herz am rechten Fleck, auf der Bühne. Es war das 50te Theater der Volksbühne. Die Aufführungen fanden zu dieser Zeit im Turmbräugartensaal statt.

Bis zum Jahr 1974 spielte die Volksbühne, die sich zwischendurch auch Heimatglöckerl nannte, unter dem Mühldorfer Trachtenverein.

Toni Sabold hatte zu dieser Zeit schon lange Jahre die Spielleitung übernommen und es war sein größter Wunsch die Bühne wieder eigenständig zu machen. Am 6. Januar 1975 war der große Tag gekommen und die Volksbühne Mühldorf wurde von 20 Mitgliedern wieder gegründet. Bei Stasi und Martin Hamberger in Mühldorf entstand der alte neue Verein. Den 1.Vorstand übernahm Toni Sabold.
Dank dem enormen Einsatz der Gründungsmitglieder, nicht nur durch Arbeit sondern auch finanziell, war es möglich bereits im März desselben Jahres auf einer komplett neuen Bühne mit 2 Einaktern, Späte Entdeckung und d`Hirschgrandln, an die Öffentlichkeit zu gehen.

Da der Mühldorfer Trachtenverein auch wieder eine Theatergruppe zusammengestellt hat und diese ebenfalls im Turmbräugarten aufgetreten sind waren auch die Schwierigkeiten, schon wegen der Spieltermine, vorprogrammiert.

Im Herbst 1977 zog die Volksbühne nach Mößling um und spielte dort im Spirkl Saal im 1. Stock. Obwohl dieser Saal immer sehr schlecht geheizt war stellte es sich als kluge Entscheidung heraus da der Erfolg riesengroß war. Teilweise saßen die Zuschauer auf den Fensterbrettern und der Saal war für heutige Verhältnisse hoffnungslos überfüllt.

Es gab aber nicht nur erfolgreiche und glückliche Jahre bei der Volksbühne.

1993 gab es unüberbrückbare vereinsinterne Streitigkeiten und der 2. Vorstand, Florian Strober, verließ mit beinahe der Hälfte der Mitglieder den Verein und gründete im Mühldorfer Haberkasten den Kulturschupp`n Mühldorf. Aber selten ein Schaden ohne Nutzen. Viele neue und junge Schauspieler konnten gewonnen werden die sich wiederum mit großem Einsatz in den Verein einbrachten. Etwa zur gleichen Zeit begannen die Probleme mit der Lagerung der Kulissen. Die Flugzeughalle, die von Anton Pöllmann für die Kulissenaufbewahrung gestiftet worden war musste aus dem Grundstück entfernt werden und trotz intensivster Suche konnte kein anderer Lagerplatz in Mühldorf gefunden werden.

Dank der Freundschaft des ersten Vorstands Toni Sabold mit dem damaligen Bürgermeister Josef Gründl gab es Gespräche die Bühne nach Mettenheim umzuziehen. Obwohl der damalige Gemeinderat nicht unbedingt auf Seiten des Bürgermeisters stand durfte die Vollksbühne nach zähen Verhandlungen nach Mettenheim kommen.

Im Sommer 1996 zog die Bühne mit dem gesamten Inventar in das damalige Westgebäude des Fliegerhorstes ein. Im November spielten wir in der Mehrzweckhalle das Stück, No amoi a Lausbua sei, mit großem Erfolg.

Während der folgenden Jahre wurden im Westgebäude ein Probenraum oder eigentlich besser Bühnenstüberl ausgebaut, eine Werkstatt eingerichtet und extra für die Kleidung ein geeigneter Raum hergerichtet.

Am 6. Januar 2005 standen wieder Neuwahlen auf dem Programm der Versammlung und Toni Sabold stand nicht mehr als Vorstand zur Verfügung. Nach 30 Jahren als 1. Vorstand und nach 50 Jahren auf der Bühne als Schauspieler und beinahe ebenso lange auch als Spielleiter war es nicht einfach einen Nachfolger für seine beachtlichen Fußstapfen zu gewinnen.

Die Verantwortung auf drei Personen aufzuteilen war die beste Lösung.

So übernahm Kerstin Angerer die Spielleitung, Vitus Meyer ist seitdem für den Bühnenbau verantwortlich und die Organisation des Theaters ging in die Hände von Gertraud Schwarze über.

Der Ausbau des Westgebäudes zum Kulturhof brachte nicht nur die Gemüter im Gemeinderat durcheinander, auch bei den Bühnenmitgliedern gab es hitzige Diskussionen über Sinn und Unsinn der Pläne. Am Ende war es eine Stimme Mehrheit im Gemeinderat und der Umbau somit eine beschlossene Sache.

Wiederum waren viele Arbeitsstunden notwendig um die vom Architektenbüro vorgegebenen Pläne zu realisieren. Wir waren aber alle bereit mitzuhelfen. Durften wir doch in unseren Räumen bleiben.

Am 3. Oktober 2007 war der Umbau soweit abgeschlossen und der Kulturhof wurde mit einem bunten Abend feierlich eingeweiht. Auch die Volksbühne feierte im November Premiere in diesem wunderschönen Saal mit dem Rendezvous im Bauernkasten.

Obwohl wir uns schon lange als Mettenheimer Verein fühlten und auch als solcher akzeptiert wurden war immer noch Mühldorf als Zusatz hinter der Volksbühne.

2008 wurde dann die Volksbühne Mettenheim endgültig und amtlich besiegelt.

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