Chronik der Volksbühne Mühldorf 1937 – 2008


Toni Sabold, langjähriger Spielleiter und Ehrenmitglied der „Volksbühne Mühldorf“ (seit Januar 2008 „Volksbühne Mettenheim“), übergab dem Verein eine lückenlose Folge an Theaterprogrammen, 1 – 76, von 1937 bis 1974!
Sie rufen viele ehemalige, prominente Theaterspieler Mühldorfs ins Gedächtnis zurück: wie Albert Rambold, gestorben 1968, der auch Jahrzehnte erfolgreicher Spielleiter und „Motor“ des Bühnenlebens war. Sein langjähriger Partner in zahllosen Stücken, Franz Paulmeier, starb 1978. Auf über 60 Jahre Theatererfahrung konnte Stasi Hamberger zurückblicken, die zusammen mit ihrem Mann Martin 1946 die „Volksbühne“ nach dem Krieg wieder gründete. Weitere bekannte Spieler der Vor- und Nachkriegsjahre: Kuni Berger, Maria Rumpl, Sepp Riedl, Maral Hamberger, Betty Singldinger und Käthi Prähofer, um nur einige zu nennen. Sie alle waren Garantie für eine erfolgreiche Theatertätigkeit.

Nr. 1: Das erste Theaterprogramm ist auf den 28./29. März 1937 datiert, vermutlich im„Himmelsaal“, der damals der größte Saal in Mühldorf war. Gespielt wurde das Stück „Der Paternosterkramer von Ettal“ (5 Akte)
Die Besetzungsliste wies bereits Albert Rambold in der Hauptrolle auf, sowie Gstasi Hamberger, Kuni Berger, Franz Paulmeier und Maria Rumpl. Spielleitung hatte ein Heinrich Bauer.
Die folgenden Theaterstücke sind zwar genau nummeriert, aber leider ohne Datumsangabe.
Nr. 2 „Der Mann im Fegefeuer“ oder „Das sündige Dorf“ datiert mit Mai 1937. Mit fast gleicher Besetzung wie Nr. 1
Bis zum 7. Theater gibt es keine Datumsangaben.
Nr. 8: Dieses Theater „Adams Sündenfall“ ist datiert auf Ostern 1940. Drei mal wurde das Stück aufgeführt.
Nr. 13: Erst hier gibt es wieder eine Datumsangabe. Gespielt wird am 5. Oktober 1941 im „Himmelsaal“ (heute Kreissparkasse Mühldorf). Erstmals existiert ein Zeitungsartikel aus der „Mühldorfer Zeitung“. In diesem Zeitungsausschnitt wird die „Volksbühne“ aber „Volksspielgemeinschaft“ Mühldorf der NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ genannt. Gespielt wurde „Der unüberlegte Schritt“, ein Lustspiel in 3 Akten von Maximilian Vitus (1897 – 1968)
Nr. 14: In dem Stück „Der Kompaniesprößling“ von Peter Jehl erscheint auf der Besetzungsliste erstmals „Käthi Prähofer“ (Januar 1942). Sie spielte bis in die 60er Jahre und starb 1998 mit 90 Jahren.
Nr. 15: Hier ist erstmals im Programm als Spielleiter ein „Karl Welnböck“ angegeben. Ca.1942
Nr. 18: Laut Zeitungsbericht wird das Stück „Die Müllerin und ihr Soldat“ nach Mühldorf auch in Töging und in Altötting gespielt im Rahmen der NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ der DAF (Deutsche Arbeitsfront). Spielleitung Karl Weilnböck. Passend zur Kriegszeit.
Nr. 19: In Januar 1943 gibt es „Beim Lieserl brennt`s“.von Hannes Bauer. Darüber existiert ebenfalls ein Zeitungsartikel.
Nr. 21: Datiert auf 11. Juli 1943 „Der heiratslustige Polykarp“ von Peter Jehl. Im Zeitungsartikel des „Altöttinger Anzeigers heißt es am Schluss: „Der geräumige Himmelsaal war nach und nach gesteckt voll geworden. Leider nur nach und nach. Ein bisschen mehr Pünktlichkeit in Zukunft dürfte kaum schaden.“
Nr. 23: „Treibjagd in die Ehe“ wird auch in Rosenheim aufgeführt. (Zeitungsnotiz vom 02.Febr. 1944: ein 5-Personen Stück mit den bewährten Spielern Albert Rambold, Maria Rumpl und Käthi Prähofer.
Nr. 24: Das letzte Theater während des Krieges wurde am 24.Juni 1944 im Himmelsaal aufgeführt: „Der Fuchs im Hühnerstall“ von L. Sippel und war ausverkauft.
Nr. 25: Erstmals Aufführung nach dem Krieg im Lankessaal im Juni 1946! Das berühmte Stück „Die drei Eisbären“ von Maximilian Vitus war ein riesiger Erfolg. Lachsalven mit dem Trio Rambold – Paulmeier – Berger! Noch heißt es „Volksspielgruppe“ unter der Leitung von Martin Hamberger.
Nr. 26: Im Programm heißt es erstmals „Volksbühne Mühldorf“ und zur Aufführung gelangt das Lustspiel “Das blauseidene Strumpfband“ von Anton Maly. Gespielt wurde zu Gunsten des BRK und für das Hilfswerk der Stadt Mühldorf. Laut einer Zeitungsnotiz spielte man auch zwei Einakter in Kraiburg.
Nr. 30: Nur 1947 steht auf dem Programm. Geschrieben zu „St. Pauli in St. Peter“ (im neu renovierten Lankessaal). Martin Hamberger spielte erstmals die Hauptrolle, wie es im Mühldorfer Anzeiger heißt.
Nr. 37: Programm für den Ludwig Thoma Abend. Leitung: Martin Hamberger. Zwei Einakter werden aufgeführt: „Die kleinen Verwandten“ und „Brautschau“. Eine Zeitungsnotiz besagt, dass er auch in Neumarkt gespielt wurde.
Nr. 38: Am 6. und 11. Januar 1949 spielte man das berühmte Stück in drei Akten: „Die drei Dorfheiligen“ von Max Neal und Max Ferner. Das Stück wurde auch in Töging, Kraiburg und Polling aufgeführt. Erstmals wird die „Volksbühne“ als „Mühldorfer Heimatglöckerl“ genannt.
Nr. 43: Erstmals als Programmüberschrift heißt es „Gebirgs- Trachten und Erhaltungsverein Edelweiß Mühldorf“ Zum „Herz in der Lederhosn“ gibt es erstmals ein Bild in der Zeitung.
Nr. 45: Wieder einmal eine Datumsangabe im Programmzettel. Um Ostern 1953 wird abends im Lankessaal „S`Loaterl am Kammerfensterl“ gespielt. Erstmals werden auch Eintrittspreise angegeben: 1. Platz 1.- DM, 2. Platz -,80 Pfennig und 10 Pfennig „Notgroschen“.
Nr. 46: „Der unüberlegte Schritt“ von Maximilian Vitus heißt das Theater an Weihnachten 1953. Beide Mühldorfer Zeitungen bringen ausführliche Berichte mit Bildern aller Spieler.
Nr. 50: Erstmals taucht der Name „Toni Sabold“ bei den Mitwirkenden im Programm auf. Im „S `Herz am rechten Fleck“ spielt der den bäuerlichen Erbschleicher . Weihnachten 1955.
Nr.55: Erste Hauptrolle für Toni Sabold in dem Stück „Am eifersüchtigen Hof“. Mit dabei auch seine Schwester Erna als seine Frau. (März, April 1958)
Bis zum November 1974 werden noch viele bekannte und lustige Theaterstücke der „Volksbühne Mühldorf“ , der Spielgruppe des Trachtenvereins gespielt. Insgesamt 78 Stück. Zu dieser Zeit erfolgte dann die Trennung vom Trachtenverein. Unter unserem Spielleiter Toni Sabold wurde die „Volksbühne Mühldorf“ selbständig und die neue „Bühnenheimat“ fand man im Gasthaus Spirkl in Mühldorf-Mößling. Die Volksbühne Mühldorf, seit Januar 2008 nun in Volksbühne Mettenheim umbenannt, kann auf eine über 70jährige Theatertradition zurückblicken. Nachweisbar mit einem Theaterprogramm vom März 1937 spielte die auch zeitweise „Volksspielgruppe“ genannt, das Stück „Der Paternosterkramer von Ettal“. Kriegsbedingt wurde der Spielbetrieb im Jahre 1944 eingestellt.
Nach den Wirren des 2. Weltkriegs und nach Überwindung vieler Schwierigkeiten gründete Martin Hamberger im Jahre 1946 die Volksbühne Mühldorf neu, nachdem er die Genehmigung von der damaligen US-Militärregierung erhalten hatte. Einige Jahre, bis 1951, spielte man unter dem Namen „Mühldorfer Heimatglöckerl“, wie die ab 1948 erhaltenen Programme belegen, im Lankessaal (heute Turmbräugarten). Im Jahre 1952 übernahm der Gebirgs- Trachtenverein Edelweiß Mühldorf die Spielgruppe, die viele excellente und bewährte Schauspieler aufweisen konnte. Allen voran mit Spielleiter Albert Rambold, Stasi Hamberger, Franz Paulmeier, Maria Rumpl, Kuni Berger, Käthe Prähofer und Betty Singldinger, um nur einige zu nennen. Traditionell wurde stets zu Ostern und zu Weihnachten gespielt. Bis zur Trennung im Jahre 1974 wurden 78 Theater mit großem Erfolg aufgeführt.
Nach unüberwindlichen Querelen mit dem Trachtenverein trennte man sich 1974 und Toni Sabold, der nach dem Tod von Albert Rambold (1968) die Spielleitung übernahm, gründete mit 19 Mitgliedern am 6. Januar 1975 die Volksbühne Mühldorf wiederum neu. Ein Großteil der aktiven Spieler waren die Gewähr für eine erfolgreiche Fortsetzung der Mühldorfer Theatertradition. Die Gründungsmitglieder waren: Toni Sabold, Margit Fraitzl, Martin und Stasi Hamberger, Maria Hamberger, Martha Sabolld, Manfred Kobler, Walter Leitl, Maria Rumpl, Peter Ziegleder, Rosmarie Hiebinger, Richard Mayer, Hans Patz, Josef Sabold, Hans Heindlmeier, Horst und Josefine Schwarze, Hans Wimmer, Maria Waxenberger und Georg Müller.
Mit den zwei Einaktern „Späte Entdeckung“ und „D`Hirschgrandln“ trat die Volksbühne wieder an die Öffentlichkeit im Turmbräugarten (Lankessaal). Da die Differenzen mit dem Trachtenverein, wegen Einnahmen Verteilung und anderem, unüberwindlich waren und dieser mit Spielverbot im Lankessaal drohte, wechselte die Volksbühne nach Mößling und fand im Gasthof Spirkl eine neue Bühnenheimat. Im November 1977 hatte die Volksbühne mit dem Lustspiel „Der Bauer auf der Himmelsbrücke“ im neuen Theatersaal Premiere. Der Erfolg war überwältigend groß. Im März konnte mit den zwei Einaktern „Der Bayerische Pikasso“ und „Die lebende Leich“ das 10jährige Jubiläum gefeiert werden.
Das Jahr 1993 markierte einen Tiefpunkt des Vereinsgeschehens. Wegen vereinsinterner Streitigkeiten verließen unter Führung des 2. Vorstandes Florian Strober ein Großteil der aktiven Spieler den Verein. Florian Strober gründete darauf den „Kulturschuppn“ im Haberkasten. Der Theaterbetrieb der Volksbühne konnte aber fortgesetzt werden, da der rührige 1. Vorstand Toni Sabold viele neue Spieler für die Bühne gewinnen konnte.
„Theater um die Volksbühne“ hieß eine reißerische Schlagzeile im „Mühldorfer Anzeiger“ im Jahre 1995! Im sogenannten Hallenstreit mit dem Pfarrhof Mößling stand wiederum die Volksbühne vor einer Zerreißprobe (Streit um Pacht und Nutzung der Inventarhütte!) Deshalb nahm der Verein das Angebot von Mettenheims 1. Bürgermeister Josef Gründl gerne an, nach Mettenheim umzuziehen. Leider fiel in diesem Zeitraum auch die Feier zum 20jährigen Jubiläum ins Wasser. Aber schon im November 1996 konnte auf der selbst erbauten Bühne in der Mettenheimer Mehrzweckhalle ein großer Erfolg mit dem Stück „No amoi a Lausbua sei“ gefeiert werden. Ein treues Publikum spornte die Spieler stets an, ihr Bestes zu geben. Im Jahr 2007 wurde nun das Westgebäude zu einem imposanten Kulturhof umgebaut, das unter anderem einen herrlichen Theatersaal mit 200 Sitzplätzen beherbergt und ein Theaterstüberl für die Volksbühne.
Die glanzvolle Einweihung des Kulturhofes erfolgte im Oktober 2007 mit einem „Bunten Abend“ und unter Mitwirkung vieler Mettenheimer Vereine, bei der auch die Volksbühne Mettenheim zum Gelingen beitrug mit dem Einakter von Ludwig Thoma: „Die kleinen Verwandten“, das das Publikum begeisterte!
Im Januar 2008 kam man nun der Bitte der Gemeinde Mettenheim nach, sich in Zukunft „Volksbühne Mettenheim“ zu nennen und somit endgültig eine neue Heimat gefunden zu haben.
Unter dem neuen Namen soll es nun jedes Jahr im November heißen „Vorhang auf“

 

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